Warum

Termine
Die Vergabe von Terminen – auch kurzfristig für denselben Tag – reduziert Wartezeiten auf ein Minimum und ermöglicht die optimale Vorbereitung auf unsere Patienten. Dazu gehört, dass im Wartezimmer keine Aufregung stattfindet. Montags und nach Feiertagen halten wir immer kurzfristige Termine offen.
Wer ohne Termin kommen möchte, der beachte bitte: in der Mittagszeit führen wir meist Operationen oder Untersuchungen in Narkose durch – wenn Sie sich vorstellen, dass Ihr eigenes Tier gerade in Narkose liegt, werden Sie verstehen, dass wir in dieser Situation weder das Telefon bedienen, noch die Tür öffnen werden.
Trotz sorgfältiger Planung wird es immer unvorhersehbare Situationen geben, in denen das Wohlbefinden eines kleinen Patienten Vorrang hat vor allen terminlichen Zusagen.

Schutzimpfungen für Hunde

Als Tierhalter möchte man möglichst genau wissen, was dem eigenen Tier verabreicht wird und warum. Was sich hinter den Abkürzungen im Impfpass eines Hundes verbirgt? Meist ist dort SHPPL-T zu lesen.
Diese Abkürzungen stehen für die Infektionskrankheiten Staupe, Hepatitis (contagiosa canis), Parvovirose, Parainfluenza, Leptospirose und Tollwut. Die gute Nachricht für alle genannten Erkrankungen: wir können unsere Hunde durch Impfung wirkungsvoll schützen. Die schlechten Nachrichten sind, dass sämtliche Infektionskrankheiten durch Impfmüdigkeit wieder auf dem Vormarsch sind und dass sie, einmal ausgebrochen, selten überlebt werden und noch seltener geheilt werden können. Regelmäßig aktualisierte Impfempfehlungen gibt die unabhängige Ständige Impfkommission für Hunde auf der Seite des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt)
(https://www.tieraerzteverband.de/)

Staupe
ist eine durch ein Virus ausgelöste Erkrankung, die verschieden Organsysteme befallen kann, am häufigsten löst das Virus Erkrankungen der Atemwege und des Nervensystems aus, es kann aber prinzipiell sämtliche Organe befallen. Daher sind die Symptome mannigfaltig und beinhalten unter anderem Nasenausfluss, Augenentzündungen, Husten, Krampfanfälle, Muskelzittern, Durchfall und Erbrechen. Alle Erscheinungsformen der Staupe gehen in der Anfangsphase mit Fieberschüben einher. Die befallenen Organsysteme, zum Beispiel die Atemwege, sind aufgrund der viralen Schädigung oft auch sogenannten Sekundärinfektionen durch Bakterien wehrlos ausgeliefert, was die Symptomatik verschlimmert und die Überlebenschancen verschlechtert. Spätfolgen einer überstandenen Staupeinfektion sind oft das sogenannte „Staupegebiss“, also deformierte Zähne durch Beeinträchtigung des Zahnschmelzes, verhärteter, trockener Nasenspiegel oder Pfotenballen („hard pad disease“) und Krampfanfälle. Nicht nur Hunde, sondern auch Füchse und marderartige (Frettchen) sind empfänglich für das Staupevirus. Die größte Bedeutung kommt allerdings der Übertragung von Hund zu Hund zu. Die Diagnose der Staupe am lebenden Tier stützt sich neben der klinischen Symptomatik und dem Vorbericht (nicht regelmäßig geimpftes Tier, Auslandsherkunft) auf den Erregernachweis aus dem Urin, dem Nasensekret oder dem Bindehautabstrich.

Hepatitis conatgiosa canis
(ansteckende Leberentzündung des Hundes) – diese Virusinfektion kann der Staupe ähnlich sehen, geht aber oft mit Leber- und Nierenschädigung einher. Die Leber ist meist geschwollen und das Abtasten des Bauchraumes insbesondere in der Leberregion ist schmerzhaft. Innere Blutungen treten oft durch Leberversagen auf und zeigen sich mitunter durch rötliche Flecken in der Maulschleimhaut („Petechien“) oder durch Gelbfärbung der ansonsten weißen Bereiche der Augen („ikterische Skleren“). Es werden verschiedene Verlaufsformen beobachtet, bei der perakuten Verlaufsform sind zuvor völlig gesund erscheinende Hunde plötzlich von hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden (was oft fälschlicherweise eine Vergiftung vermuten lässt) und der Tod kann innerhalb weniger Stunden eintreten. Im Gegensatz zur Staupe könne schon Welpen unter acht Wochen an einer Hcc erkranken, die Ausscheidung infektionsfähiger Erreger über den Urin kann bei der Hcc (so sie denn überlebt wird) über 200 Tage (!) anhalten und der Erreger ist widerstandsfähiger als der der Staupe. Auch bei der Hcc können die oberen Atemwege betroffen sein, zumal das Virus eng verwand ist mit einem der Erreger des Zwingerhustens (siehe unten) und nicht selten gemeinsam mit selbigem auftritt. Typisch für die verzögerte (subakute) Verlaufsform der Hcc ist eine nach anfänglicher Besserung der Symptome plötzlich auftretende, oft einseitige Trübung der Cornea (Hornhaut des Auges).

Parvovirose
die durch das canine Parvovirus verursachte Infektionskrankheit tritt zumeist in der gastrointestinalen, also den Magen-Darm-Trakt bereffenden Form auf. Die Hunde zeigen plötzliches Erbrechen, zunächst oft noch wässrig-schleimig, später oft blutig vermischt, zeitlich versetzt treten explosionsartige Durchfälle auf, die schnell blutig-wässrig werden. Die Durchfälle haben einen charakteristischen, süßlichen, leichenartigen Geruch, was daran liegt, das bei dieser schweren Darminfektion Teile der Darmschleimhaut absterben und regelrecht abgeschilfert werden. Das anfänglich hohe Fieber sinkt meist im Zuge der schnellen Austrocknung des Körpers ab, das Virus führt zu einer dramatischen Abnahme der weißen Blutkörperchen, die normalerweise den Organismus schützen. So setzen bakterielle Sekundärinfektionen dem Körper zusätzlich zu. Insbesondere bei Welpen gibt es auch die sogenannte cardiale Form der Parvovirose. Hier verursacht das Virus eine schwere Herzmuskelentzündung. Bei dieser Variante sind die Überlebenschancen noch geringer als bei der gastrointestinalen Form. Das Parvovirus zeichnet sich durch hohe Widerstandfähigkeit aus, der Erreger bleibt in der Außenwelt noch bis zu 6 Monaten und mehr infektiös, die Übertragung kann durch Gegenstände und auch Menschen (die selbst aber nicht erkranken!!) erfolgen. Ein Hund mit Parvovirose muss stationär und zwar zwingend auf Quarantäne-Station behandelt werden. Bei früher Erkennung und intensiver Therapie, die sich meist über mindestens 7-14 Tage hinzieht und in intravenöser Flüssigkeitszufuhr (Infusionstropf), Serumverabreichung (soweit verfügbar), symptomatischer Magen-Darm-Behandlung und Antibiotikumgabe besteht, kann insbesondere ein erwachsener Hund die Infektion überleben. Die Kosten für eine solche Therapie liegen – am Rande bemerkt – bei mindestens 2.000,- (in Worten zweitausend) Euro.Das canine Parvovirus (CPV) ist dem Erreger der Katzenseuche (FCP) eng verwand, Hund und Katze stecken sich aber nicht gegenseitig an.

Parainfluenza
das Parainfluenzavirus stellt einen der Erreger des sogenannten Zwingerhusten (auch Canine Laryngotracheitis, Canine Tracheobronchitis) dar. Der begriff Zwingerhusten bezeichnet demnach nicht eine durch einen einzelnen, bestimmten Erreger verursachte Infektionskrankheit, sondern eher einen Symptomkomplex, der insbesondere bei hoher Besatzdichte wie in Tierheimen Tierpensionen aber auch auf Hundeplätzen auftritt. Hauptsächlich verantwortlich für das Auftreten von Atemwegssymptomen wie Nasenausfluss und (meist typisch) bellendem, oft würgendem Husten sind das Canine Parainfluenzavirus und ein Bakterium namens Bordetella bronchoseptica, aber auch Herpesviren und andere Viren sowie Bakterien wie Klebsiellen wurden bei an Zwingerhusten erkrankten Hunden gefunden. Die klassische, reguläre Impfung SHPPL-T enthält den Schutz vor Parainfluenzaviren. Darüber hinaus gibt es einen in die Nase (dies ist nämlich die Eintrittspforte der Erreger) zu verabreichenden Impfstoff, der zusätzlich gegen Bordetella broncheseptica schützt und zudem sehr schnell wirksamen Impfschutz hervorruft. Die intranasale Impfung wird empfohlen z.B. vor Pensionsaufenthalten oder Ausstellungen. Wenngleich der Zwingerhusten unbehandelt schwere Lungenentzündungen hervorrufen kann, bleibt er in den meisten Fällen auf die oberen Atemwege, das heißt Nase, Luftröhre und Bronchen beschränkt, hält sich dort zwar recht lange (mitunter bis zu vier Wochen), ist aber durch die Gabe geeigneter Antibiotika in der Regel wirkungsvoll zu bekämpfen und fordert nur sehr selten Todesopfer. Der Erreger Bordetella bronchoseptica ist übrigens auch von der Katze auf den Hund und umgekehrt übertragbar.

Leptospirose
Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Infektionserkrankung, die nach seuchenartigem Auftreten im Anschluss an eine im Jahre 1898 in Stuttgart stattgehabte Hundeausstellung auch „Stuttgarter Hundeseuche“ genannt wird. Die Symptome dieser Krankheit können variieren, am häufigsten werden Gelbverfärbungen der Maulschleimhäute und schwere, oft noch nach Jahren zum Nierenversagen führende Nephritiden (Nierenentzündungen) beobachtet.
Die Ansteckung mit Leptospiren erfolgt direkt (Hund zu Hund) oder indirekt z. B. über verseuchte stehende Gewässer insbesondere im Sommer. Es gibt einige Unterarten von Leptospiren, lange Zeit waren die gängigsten und zugleich einzigen, gegen die die Impfung schützte die sog. Serovare leptospira canicola und leptospira icterohaemorrhagiae. In jüngster Zeit (2015) treten vermehrt die Stämme L. pomona, bratislava saxkoebing, sejroe und australis in Erscheinung. Auch in Norddeutschland haben wir schon Erkrankungs- und Todesfälle. Derzeit ist in Deutschland ein Impfstoff gegen 4 der Serovare erhältlich (die sogenannte L4-Impfung). Auch Menschen können an Leptospirose erkranken, es handelt sich also hier um eine sogenannte Zoonose. Der Erreger wird (oft tückischer weise von gesund erscheinenden Hunden) über lange Zeit mit dem Urin ausgeschieden und ist widerstandsfähig genug, um auch über kontaminierte Gegenstände anstecken zu können. Die Diagnose wird anhand von Harn- und Blutuntersuchungen gestellt.

Tollwut
Im Gegensatz zu den meisten Erregern von Infektionskrankheiten ist das Tollwutvirus für sehr viele Säugetiere (einschließlich Menschen) hochgefährlich. Tollwut tritt auf bei Hunden Katzen, Füchsen, Wölfen, Marderartigen, aber auch bei Fledermäusen und mitunter auch Eichhörnchen und vielen anderen mehr. Tollwut ist nach wie vor eine fast immer tödlich endende Krankheit. Sie ruft eine schwere Gehirnhautentzündung hervor, die klassischerweise (aber nicht immer!) zu hochaggressivem Verhalten führt. Dieses Verhalten wiederum begünstigt die Verbreitung des Tollwut-Virus, welches sich besonders im Speichel findet und somit beim Biss übertragen wird. Der oft gehörte Hinweis, Deutschland sei „tollwutfrei“ sollte niemanden dazu verleiten, die Tollwut-Impfung seines Hundes zu vernachlässigen. Der Status „tollwutfrei“ ändert sich mit jedem Tier, das die Grenze passiert, sei es der Fuchs aus dem Nachbarland oder der Wurf ungeimpfter Hundewelpen im Kofferraum eines innereuropäischen illegalen Tierhändlers. Die Diagnose „Tollwut“ setzt die pathologische Untersuchung spezieller Hirnregionen voraus, derartige Untersuchungen sind nur post mortem, das heißt nach dem Tod, durchführbar. Dieser Umstand führt dazu, dass bei einem Tollwut-Verdacht (auffälliges Verhalten, Fälle von Tollwut in näherer Umgebung) der Gesetzgeber das Recht hat, jedes ungeimpfte tollwutempfängliche Tier sicherzustellen und ggf. zu töten. Tollwut tötet auch den Menschen, ein Transplantationsskandal aus dem Jahre 2005 hat dies wieder einmal in aller Deutlichkeit bewiesen. Sechs Organempfänger hatten von derselben, unerkannt tollwutinfizierten Person Organe erhalten. Ein einziger Mensch überlebte. Er hatte sich Jahre zuvor gegen Tollwut impfen lassen. Die Organspenderin hatte sich in Indien infiziert, auf dem Subkontinent sterben jährlich zehntausende von Menschen an Tollwut. In Indien sind übrigens nicht Füchse, sondern streunende Hunde Hauptüberträger der tödlichen Krankheit. Beim Menschen können über mehrere Monate durchgeführte sogenannte postexpositionelle Impfungen nach einer möglichen Ansteckung lebensrettend sein. Es ist verboten, tollwutverdächtige Tiere zu therapieren.

Wurmkuren

Wer jemals mit ansehen musste, wie ein Welpe jämmerlich an Bauchkrämpfen eingeht während ihm die Würmer aus dem Mäulchen kriechen (ich übertreibe leider überhaupt nicht), steht jedweder Anti-Wurmbehandlungs-Diskussion, oft aus Unwissenheit, romantisierter Naturauffassung oder schlicht aus Geiz geführt, vollkommen fassungslos gegenüber.
Hunde sind aufgrund ihrer Leidenschaft für´s Stöbern und ihrer Vorliebe für gammelige Fundstücke in Wald und Flur immer wieder von sogenannten Endoparasiten, also Parasiten, die im Inneren des Körpers ihr Unwesen treiben, befallen. Mutter Natur, die den Wurm offenbar ebenso liebt wie den Hund, hält einige Schmarotzer bereit, die sich (bevorzugt, aber nicht nur!) im Darm des Hundes ansiedeln: Spulwürmer, Bandwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Giardien sind die am Häufigsten auftretenden. Mehr und mehr werden auch Lungenwürmer in unsren Breitengraden beobachtet, während Herzwürmer in Nordeuropa bisher nicht auftreten, aber sehr wohl von unseren Vierbeinern als ungewolltes Souvenir aus südlichen Ländern mitgebracht werden können.

Ein Wurmbefall kann unter Umständen für den Tierhalter unbemerkt bleiben, oft werden erst bei massivem Befall Wurmteile sichtbar, die Wurmeier sind mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen.

Die meisten Mittel zu Bekämpfung von Wurmbefall wirken nicht nur gegen reife („adulte“) Schmarotzer sondern auch gegen deren Entwicklungsstadien wie Eier oder Larven. Zum Teil wandern Parasiten durch verschiedene Organsysteme, bevor sie sich in ihrem Zielorgan ansiedeln, oft sind sie – wie Herzwürmer (Dirofilaria) nur auf dem Weg dahin wirkungsvoll und gefahrlos zu bekämpfen. Eine regelmäßige Entwurmung – mindestens alle 3 Monate je nach Stöberlaune und Kontakt zu Wildtieren – bewahrt nicht nur den eigenen Hund vor massivem Wurmbefall, sonder schützt auch all diejenigen, die auf der Wiese mit hündischen Hinterlassenschaften in Kontakt kommen – das sind nicht nur andere Hunde, sondern auch immermal wieder kleine Kinder. Die Verantwortung für uns Hundehalter ist also groß und es gibt wirklich unangenehme Vertreter unter den Schmarotzern – z.B. den lebensgefährlichen Fuchsbandwurm. Manch Hundehalter traut den Wurmpräparaten nicht, weil der eigene Hund vielleicht ein ganzes Jahr lang keine Wurmtablette bekam, dann hat man eine geben müssen, weil z.B. in einigen Ländern die Einreisebestimmungen eine Entwurmung verlangen (daran kann man erkennen, wie groß die seuchenhygienische Bedeutung dieser Biester ist), und nach der Wurmtablettengabe hatte der Hund Erstmal einen Tag lang tüchtig Dünnpfiff. Nun ist aber die Schlussfolgerung, dass der Hund die Wurmkur nicht verträgt, in 99% der Fälle falsch! Es ist vielmehr so, dass nur bei Vorhandensein von Parasiten im Darm selbige nach Gabe des Mittels absterben und zum Teil mit Karacho in die Außenwelt befördert werden.

Kastration / Sterilisation

Wie heißt es denn nun? Kastration oder Sterilisation?
Große Verwirrung herrscht offenbar unter Tierhaltern bei den Begriffen Kastration und Sterilisation. In der Tierärzteschaft ist man nicht wenig erstaunt über diese Diskussion, denn kaum ein Tierarzt hat jemals Sterilisationen an Hunden oder Katzen durchgeführt. Mitunter wurden aber Kastrationen weiblicher Tiere als Sterilisation bezeichnet, weil sich unter Nicht-Medizinern der Begriff Sterilisation für weibliche Wesen generell etabliert hatte. Deshalb verließen Tierbesitzer nicht selten kopfschüttelnd den vermeintlich schusseligen Tierarzt  und beschwerten sich, der wolle doch tatsächlich ein weibliches Tier kastrieren, als könne der nicht einmal Männlein von Weiblein unterscheiden. Viele Tierärzte haben daraufhin die Bezeichnung nicht weiter kommentiert und davon abgesehen, täglich Tierhalter zu korrigieren. In aller Regel werden Katzen und Hunde beiderlei Geschlechts zur Unfruchtbarmachung kastriert, das heißt, es werden die keimproduzierenden Drüsen, also Eierstöcke bzw. Hoden, entfernt.

Für Hunde, die unter menschlicher Aufsicht leben, ist eine Unfruchtbarmachung zur Verhinderung ungewollter Vermehrung im Grunde nicht nötig, wenn alle Hundehalter ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.

Die meisten Halter von Hündinnen entscheiden sich aber aus folgenden Gründen für einen Eingriff: sie wollen:

· Die Läufigkeitserscheinungen wie Blutung, Unruhe, jaulende „Romeos“ vor der Haustür, Einschränkungen im Bewegungsradius der Hündin und ihrer selbst nicht zweimal jährlich hinnehmen

· Die sogenannte Scheinträchtigkeit vermeiden, insbesondere, wenn diese mit Anschwellen und Milchproduktion der Zitzen, Nestbauaktivität, Herumschleppen und Bemuttern von Spielzeug, Unlust, spazierenzugehen und Depression einhergeht. Die Scheinträchtigkeit selbst ist übrigens physiologische, also per se nicht krankhaft. Das Phänomen geht auf den Umstand zurück, dass bei den Vorfahren unserer Haushunde meist nur die „Chefin“ im Rudel das Privileg hatte, Welpen zu gebären und sich die rangniedrigeren Wölfinnen bei der Aufzucht beteiligten. Das erklärt auch, warum sehr dominante Hündinnen weniger zur Scheinträchtigkeit neigen.

· Das Risiko von Gebärmuttervereiterung (irreführend oft als „Gebärmutterkrebs bezeichnet) und Tumoren des Gesäuges bannen.

Diese Ziele sind nur durch Kastration zu erreichen. Bei Sterilisation oder Entfernung nur eines statt beider Eierstöcke sind sämtliche genannte Erscheinungen weiterhin zu erwarten. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass (wie bei der Frau) das Entfernen der Eierstöcke bei der Hündin Einfluss auf den Knochenstoffwechsel (Stichwort Osteoporose) hat.

Die Nachteile der Kastration der Hündin sollen aber an dieser Stelle auch  nicht unerwähnt bleiben: Hündinnen tendieren zur Fettleibigkeit (der man allerdings mit entsprechender Fütterungsumstellung entgegenwirken kann) und es kann zur Inkontinenz kommen. Letztere Problematik betrifft meist größere Hündinnen und oft Rassen mit sogenannter Beckenblase wie z.B. Dobermann, Rhodesian Ridgeback und Boxer, aber auch Beagle und Cocker Spaniel. Heutzutage entfernen viele Tierärzte nur die Eierstöcke und belassen die Gebärmutter (Ovarektomie statt Ovarhysterektomie). Diese Operationstechnik mindert das Risiko der Inkontinenz, ist aber nur bei Hündinnen mit vollkommen unveränderter Gebärmutter ratsam.

Die Kastration von Rüden wird i.d.R. nicht zur Geburtenkontrolle durchgeführt. Im Gegensatz zum Kater ist für den intakten (unkastrierten) Rüden ist das „Nicht-zum-Zuge-kommen“ völlig normal, sofern er im Rudel nicht die Führer-Stellung einnimmt. Nur der Rudelführer kommt in den Genuss gewisser Privilegien, zu denen zweifelsohne das Weitergeben der eigenen Gene gehört. Dementsprechend wird ein Rüde, der nicht in die Rudelführer-Rolle gedrängt wird, auch keine Deck-Ambitionen zeigen. Zumindest nicht, solange der „Rudelführer“ anwesend ist – einen intakten Rüden mit einer läufigen Hündin in einem Raum unbeaufsichtigt zu lassen, sprengt allerdings eindeutig die Grenzen der Impulskontrolle eines Rüden! Vor einigen Jahren wurde die Kastration von Rüden als „Allheilmittel“ gegen vermeintliche Verhaltensstörungen propagiert. Dabei handelte es sich allerdings weniger um Verhaltensstörungen als vielmehr um störendes Verhalten. Aus tierschützerischer Sicht muss genau abgewogen werden, inwiefern ein störendes Verhalten eines Rüden tatsächlich hormongesteuert ist. Häufig wünschen sich Tierhalter schlicht einen leichter zu führenden Hund. Nur, wenn erzieherische Maßnahmen (bitte unter Anleitung eines nachweislich sachkundigen Hundetrainers – Trainer(innen) die von vornherein pauschal die Kastration propagieren, sollte man misstrauen!) nicht zum Erfolg führen oder wenn das störende Verhalten eindeutig testosteronbegründet ist, wie z.B. „Durchbrennen“ bei verlockendem Geruch oder ständige Raufereien mit anderen Rüden, ist die Kastration zur Steigerung der Lebensqualität des betroffenen Hundes anzuraten. Zur Entscheidungshilfe ist die sogenannte „chemische“ Kastration des Rüden ein bewährtes Mittel. Dem Rüden wird ein hormoneller Gegenspieler (medizinisch „Antagonist“) des Testosteron in Form eines kleinen Chip implantiert. Der Wirkstoff des Medikamentes verdrängt das körpereigene Testosteron zunächst vom Rezeptor (sozusagen Andockstelle des Hormons), was zu einem vorübergehenden, meist ca. 2 Wochen andauernden Testosteronüberschuss im Blut führen kann. Während dieser Zeit ist der Rüde möglicherweise ein noch schlimmerer „Rocker“. Danach ist der Rüde für mindestens sechs Monate wie tatsächlich kastriert: die Hoden werden kleiner, Fellveränderungen insbesondere bei Collie, Flat Coatetd Retriever, Setter und ähnlichen Rassen werden sichtbar, der Hund neigt wie ein kastrierter Rüde zu Gewichtszunahme. Das Interesse an Hündinnen erlahmt, der Rüde wirkt auf andere Rüden unter Umständen sexuell attraktiv, das heißt, intakte Rüden versuchen, den „chemisch“ kastrierten Rüden zu besteigen. In seltenen Fällen wird der Rüde inkontinent (im Gegensatz zur Hündin gleich nach Wirkungseintritt des Testosteron-Hemmers). Etwa sechs Wochen (und etwa bis sechs Monate) nach Implantation des „Kastrations-Chip“ ist der Rüde auch nicht mehr zeugungsfähig. Die Verhaltensänderungen beim Rüden – unabhängig davon, ob „chemisch“ oder chirurgisch kastriert – hängen zum einen davon ab, inwieweit das Verhalten überhaupt sexualhormongesteuert ist (Jagdverhalten, auch fahrradfahrerjagen z.B. ist völlig unabhängig von Sexualhormonen), zum anderen davon, inwieweit das Verhalten bereits etabliert ist – ein 5jähriger Rüde wird sein machohaftes Benehmen nicht mehr ablegen, hier kann die Kastration sogar zu häufigeren Raufereien führen, weil die geruchliche Attraktivität des kastrierten Rüden für intakte Artgenossen vom kastrierten „Macho“ als ausgesprochen unangebracht gewertet wird…Die Kastration des Rüden ist keineswegs geeignet, um Rangordnungskämpfe beizulegen. Weder zwischen Mensch und Hund noch zwischen männlichen Hunden in einem Haushalt. Wenn rivalisierende Rüden in einem Haushalt leben, tun wir Menschen gut daran, deren (laut oder leise) ausgefochtene Rangordnung zu akzeptieren. Den unterlegenen Rüden durch gesteigerte Zuwendung zum erneuten Rangkampf zu motivieren oder den überlegenen Rüden zu kastrieren ist der beste Weg, anhaltende und wirklich ernste Kämpfe zwischen den Rüden zu provozieren.